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Nachrichten // Wismar, 8. Mai 2007
Rede von Andreas Bluhm auf der Kundgebung
auf dem Marktplatz in Wismar am 08.05.2007, 17.00 Uhr
(es gilt das gesprochene Wort)

Der Tag der Befreiung vom
Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges
ist seit März 2002 bei uns in MV gesetzlich verankerter
Gedenktag. Zu begrüßen ist, dass sich heute in Wismar die
verschiedensten gesellschaftlichen Kräfte zusammengefunden
haben, um ein Zeichen für Demokratie und Toleranz, für Frieden
und friedliches Zusammenleben der Menschen und Völker zu setzen.
Wir wissen uns dabei eins mit den Menschen
in vielen Ländern, vor allem Europas, die heute diesen Tag mit
Erinnerung und Gedenken an die vielen Millionen Toten, an die
unzähligen Verletzten, zerstörten Familien, an Angst und Flucht
begehen. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizäcker
sagte in seiner historischen Rede vor dem Deutschen Bundestag am
08. Mai 1985 : „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns
alle befreit von dem menschenverachtenden System der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. …wir haben allen
Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher
Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine
bessere Zukunft barg.“
Der 8. Mai ist ein Tag auch der Erinnerung
an all das, was Menschen erleiden mussten; er ist zugleich ein
Tag des Nachdenkens über unsere Geschichte, bis 1945 und auch
danach; dieses reicht bis in die Gegenwart hinein und war für
viele auch Anlass, hier heute auf dem Wismarer Markt zu sein.
Es
ist wieder so, dass revanchistisches Gedankengut Platz greift in
den Köpfen!
Es ist so, dass eine Partei im Landtag
Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsens sitzt, die in ihrem
Programm niedergeschrieben hat, dass „die Wiederherstellung
Deutschlands ist mit der Vereinigung der
Besatzungskonstruktionen BRD und DDR nicht erreicht.“ und
Deutschland größer als die Bundesrepublik sei!
Er ist immer fruchtbar noch der Schoß, aus
dem das menschenverachtende System des deutschen Faschismus
kroch, um mit Brecht zu sprechen! Immer offener und lauter
treten Rechtsextremisten auf, geben sich manchmal als Anwalt der
Menschen, sind aber in ihrem Handeln undemokratisch und
gewaltbereit, predigen Hass, verbreiten Angst und
Einschüchterung, sie lassen andere und anderes Denken nicht zu!
Wir, die wir für Demokratie und Toleranz,
für Frieden und Völkerverständigung, gegen Gewalt, Extremismus,
Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass eintreten, wollen das auf
allen Ebenen tun, im Land, in der Kommune, in Betrieb,
Wohnumfeld und Familie; dabei bewährte Strukturen der
Auseinandersetzung mit dem aktuellen Rechtsextremismus zu
gefährden, ist mehr als verhängnisvoll.
Hier verpflichtet uns auch der heutige
Gedenktag mit seiner ganzen Aktualität, denn die Botschaft der
Überlebenden: ´Nie wieder Krieg - Nie wieder Faschismus!´, ist
nicht eingelöst. Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt.
Faschismus und Rechtsextremismus bedrohen die Demokratie in
unserem Land!
Die Mitglieder der Linkspartei.PDS in
Wismar und Mecklenburg-Vorpommern, ihre Wählerinnen und Wähler
wollen mitwirken im Ringen um Demokratie und Toleranz; wir
wollen und werden unsere Mitverantwortung wahrnehmen für unser
demokratisches Gemeinwesen. Dabei fühlen wir uns auch den Worten
des von den SS-Schergen 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichteten
Journalisten Julius Fuczik verpflichtet, mit denen er die
"Reportage unter dem Strang geschrieben" beendet und die in 88
Sprachen übersetzt und gedruckt worden ist. Und überall in
Deutschland, in Europa und auch auf anderen Kontinenten Menschen
leben, denen Fuciks Bekenntnis zum Menschen und seine Mahnung,
hellwach, mit aufmerksamem Blick durchs Leben zu gehen, vertraut
sind.
"Menschen, ich hatte euch lieb! Seid
wachsam!" |